Nach unserem ziemlich ausgedehnten Werkstattabenteuer in Guarda war eine Sache noch offen: die Reifen. Die Werkstatt dort hatte zwar unsere Stoßdämpfer und Bremsbeläge gewechselt, mit den angebotenen Reifen waren wir aber nicht einverstanden. Also hatten wir unsere Wunschreifen kurzerhand selbst bestellt und direkt zu einer Partnerwerkstatt in Sabugal liefern lassen. Das hat alles wunderbar geklappt und weil die Werkstatt auch eine 3D-Achsvermessung anbot, wollten wir das gleich mit erledigen lassen. Was sollte schon schiefgehen? Nun ja.

Die Absprache vorab über WhatsApp hatte wunderbar auf portugiesisch und mit Hilfe von Deepl funktioniert. Vor Ort war die Kommunikation etwas schwieriger. Portugiesisch ist grundsätzlich kein Problem. Wir erwarten schließlich nicht, dass in einer portugiesischen Werkstatt Englisch gesprochen wird. Aber fragen tun wir jedes Mal danach.
Der Chef sprach allerdings nicht nur ausschließlich Portugiesisch, sondern auch noch sehr sparsam. Und sehr leise. Eine spannende Kombination. Ein bisschen Französisch schien ebenfalls möglich zu sein, aber nur sehr begrenzt. Also griffen wir wieder auf unsere bewährte Methode zurück: Text auf dem Smartphone vorbereiten und zeigen. Damit kann man erstaunlich viele Sprachbarrieren überwinden. Ich erzählte ihm irgendwann, dass ich Portugiesisch lerne. Und schaffte es tatsächlich, ihm einmal ein Lächeln zu entlocken. Das verbuchte ich direkt als Erfolg.

Wenn wir schon hier sind: 3D-Achsvermessung gleich mitmachen
Eigentlich waren wir wegen der beiden neuen Reifen hier. Aber nach den Arbeiten an Stoßdämpfern und Fahrwerk wollten wir sowieso noch eine Achsvermessung machen lassen. Wir sahen, dass diese Reifenwerkstatt ebenfalls eine Achsvermessung anbietet und das gerät machte einen sehr neuen Eindruck, wie vieles hier in der Werkstatt. Auf unsere Nachfrage, wurde bestätigt, dass wir die §D-Achsvermessung gleich hier erledigen können. Perfekt.
„Ano?“
Bevor es losging, fragte mich der Chef etwas. Ich verstand es nichts. Dann sagte er auf Englisch: „Year?“ Ach so! Das Baujahr unseres Fiat Ducato. Ich sagte also auf portugiesisch 2010. Zumindest dachte ich, dass damit alles geklärt wäre. Im Nachhinein bin ich mir nicht einmal mehr sicher, ob wir zu diesem Zeitpunkt Portugiesisch oder Französisch miteinander gesprochen haben. Manchmal verschwimmt das unterwegs etwas. Aber egal. 2010 ist 2010. Oder?
Neue Reifen für unseren Fiat Ducato
Zunächst wurden unsere Reifen montiert. Die hatten wir vorher bereits bezahlt und direkt an die Werkstatt liefern lassen. Wir wollten ganz bewusst diese Reifen haben: Michelin Cross Climate Camping. Unser Kasten ist schwer und wir sind damit das ganze Jahr unterwegs. Uns waren deshalb Reifen wichtig, die für ein schweres Campingfahrzeug geeignet sind und gleichzeitig als Ganzjahresreifen funktionieren. Das Profil sieht außerdem ziemlich beeindruckend aus. Oder wie Sven es formulierte: Jetzt haben wir geile Schlappen drauf. Zumindest hinten. Denn wir lassen die Reifen regelmäßig durchtauschen, damit sie möglichst gleichmäßig verschleißen. Der Reifenwechsel und das Auswuchten selbst lief problemlos. Damit war immerhin dieser Punkt unserer Werkstattliste endlich erledigt.

Anschließend ging es auf die Bühne zur Achsvermessung.
Zwei Männer arbeiteten gemeinsam am Auto. Vielleicht waren es die Söhne des Chefs. Der Firmenname deutet zumindest darauf hin. Im Büro saß außerdem eine Frau, bei der wir vermuteten, dass sie ebenfalls zur Familie gehört. Es wirkte jedenfalls sehr nach klassischem portugiesischen Familienbetrieb. Wir warteten und beobachteten, wie unser Ducato vermessen wurde.

Moment mal: Fiat Ducato Maxi von 2002 bis 2006?
Auf dem Ausdruck, den wir anschließend erhielten, standen die Fahrzeugdaten, mit denen die Achsvermessung durchgeführt worden war. Und die passten nicht. Eingestellt war: Fiat Ducato Maxi, Baujahr 2002 bis 2006. Ähm. Nein. Unser Ducato ist von 2010. Und ein Maxi ist er ebenfalls nicht (Sieht auch nicht so aus). Das ist durchaus relevant. Denn unterschiedliche Fahrzeugvarianten können unterschiedliche Sollwerte für die Fahrwerkseinstellung haben. Damit war für uns klar: So können wir das nicht lassen. Offenbar hatte der Chef bei unserer etwas mühsamen Unterhaltung statt 2010 irgendwie 2003 verstanden. Wenn ich so darüber nachdenke, hört sich treis = 3 und dez = 10 ansgesprochen schon sehr ähnlich an.
Im Nachhinein dachten wir natürlich: Wir hätten ihm das Baujahr einfach ebenfalls schriftlich zeigen sollen. Andererseits hätte man auch kurz in die Fahrzeugpapiere schauen können. Danach gefragt hatte allerdings niemand. Wir lernen: den Fahrzeugschein immer in die Hand drücken, ob verlangt oder nicht, dann gibt es keine Missverständnisse
Also alles noch einmal
Zu diesem Zeitpunkt stand bereits das nächste Auto auf der Bühne. Wir klärten das mit dem Chef, der war nicht begeistert, schickte uns aber auch nicht weg. Also warteten wir. Wir blieben einfach auf dem Hof, bis das andere Fahrzeug fertig war. Dann durfte unser blauer Kasten ein zweites Mal auf die Bühne. Diesmal wurden die korrekten Fahrzeugdaten eingestellt. Und siehe da: Jetzt mussten tatsächlich noch Werte korrigiert werden. Damit war es also definitiv richtig gewesen, dass wir den ersten Ausdruck kontrolliert hatten. Werkstattregel Nummer eins: Ausdruck anschauen
Damit haben wir innerhalb weniger Tage gleich zweimal erlebt, warum es sinnvoll ist, bei Werkstattarbeiten selbst ein bisschen mitzugucken. In Guarda wurde bei den Arbeiten am Fahrwerk versehentlich ein Stromkabel beschädigt. In Sabugal wurde die erste Achsvermessung mit falschen Fahrzeugdaten durchgeführt. Beides haben wir nur bemerkt, weil wir kontrolliert beziehungsweise nachgehakt haben. Das bedeutet nicht, dass man jede Werkstatt grundsätzlich misstrauisch betrachten muss, okay, ein vielleicht ein bisschen. Fehler passieren. Aber gerade unterwegs kennen die Werkstätten weder unser Fahrzeug noch seine Besonderheiten. Und Sprachbarrieren machen Missverständnisse natürlich wahrscheinlicher. Hinzu kommt, dass wir als Urlauber wahrgenommen werden und nicht als potenzielle Stammkunden. Wir versuchen dann immer klar zu machen, dass wir jedes Jahr hier sind und wiederkommen.
Für Reifenmontage, Durchtauschen und Achsvermessung zahlten wir insgesamt knapp 100 Euro. Die beiden Reifen selbst hatten wir bereits vorher bezahlt. Auch hier gab es wieder eine Besonderheit beim Bezahlen:Unsere ausländische Kreditkarte wurde nicht akzeptiert. Das Problem ist uns bekannt aber wir erleben es nur sehr selten denn mittlerweile gibt es kaum noch Geschäfte, wo es nicht klappt. Nun haben wir gleich 2x hintereinander dieses Problem. Also Barzahlung, so viel haben doch noch als Papiergeld im blauen Kasten.
Gut zu wissen: An vielen Geldautomaten in Portugal kann man pro Abhebung nur bis zu 200 Euro bekommen, meist in 5-, 10- oder 20-Euro-Scheinen. Wenn eine Werkstatt also ausschließlich Bargeld akzeptiert und die Rechnung höher ausfällt, kann das schnell unpraktisch werden. Im Zweifel müsste man mehrere Abhebungen machen beziehungsweise mit verschiedenen Karten arbeiten. Eine gute Alternative ist eine Echtzeitüberweisung. Die bieten inzwischen viele Banken an und genau so hatte die Bezahlung bei unserer Werkstatt in Guarda kurz zuvor problemlos funktioniert.
Endlich erledigt
Dann konnten wir tatsächlich vom Hof rollen. Neue Reifen drauf. Achsvermessung mit den richtigen Fahrzeugdaten erledigt. Fahrwerk eingestellt. Haken dran.

Unser nächstes Ziel lag nur wenige Minuten entfernt: Intermarché. Wir wollten dort Wäsche waschen und zwei Amazon-Pakete abholen. Und wurden direkt daran erinnert, warum wir normalerweise lieber am Abend einkaufen. Es war unglaublich voll. Wirklich voll. Sogar gehupt wurde auf dem Parkplatz weiles nicht vorwärts ging. Das erleben wir in Portugal gar nicht so häufig. Aber offenbar wollten an diesem Tag alle gleichzeitig zum Intermarché in Sabugal. Okay, vielleicht lag es auch daran, dass dienstags Markttag ist. Und dann noch August. Denn in einem 3.000-Einwohner-Städtchen kann sich die Einwohnerzahl in dieser Zeit schnell einmal verdoppeln oder verdreifachen. Viele Portugiesen, die im Ausland leben und arbeiten, kommen im Sommer mit ihren Familien zurück in die Heimat.
Aber fährt der Ducato jetzt wirklich besser?
Das war natürlich die entscheidende Frage.Vor der Reparatur und Achsvermessung hatten wir zwei Dinge bemerkt: Das Lenkrad zog nach rechts. Und es gab Vibrationen beziehungsweise Zittern. Auf der kurzen Fahrt von der Werkstatt zurück zum Stausee fühlte sich das Auto tatsächlich deutlich besser an. Kein Ziehen nach rechts. Kein Zittern am Lenkrad. Sehr gut. Und auch auf der längeren Fahrt ein paar Tage später weiter in den Süden Portugals bestätigte sich der Eindruck: Der blaue Kasten lief wieder ruhig und geradeaus.
Unsere Erfahrung mit der Reifenwerkstatt in Sabugal
Unterm Strich war die Erfahrung positiv. Die Reifenbestellung und Absprache über WhatsApp hatte vorher sehr gut funktioniert. Die Montage lief problemlos. Dass wir spontan auch noch die 3D-Achsvermessung machen lassen konnten, war praktisch. Bei der Kommunikation vor Ort mussten wir etwas improvisieren. Aber damit können wir umgehen. Weniger optimal war natürlich, dass die erste Achsvermessung mit den falschen Fahrzeugdaten durchgeführt wurde. Das hätte sich ziemlich einfach mit einem kurzen Blick in den Fahrzeugschein vermeiden lassen. Oder indem wir unser Baujahr ebenfalls schriftlich gezeigt hätten. Am Ende wurde die Messung aber ohne Diskussion noch einmal durchgeführt und mit den korrekten Daten auch entsprechend nachgestellt. Damit war für uns alles in Ordnung. Außerdem hatten wir später noch einmal Kontakt mit der Werkstatt, weil wir eine Adresse brauchten um Solarpanele schicken zu lassen. Das hat wunderbar funtkioniert!
Adresse der Reifenwerkstatt:
- Gandaio & Filhos Lda
- Parque Industrial, Lote 5
- 6320-317 Sabugal
- GPS: 40.35402° N, 7.07399° W
- Kartenlink

Was wir daraus mitnehmen
Unsere kleine Werkstattserie in Portugal hat uns wieder einmal gezeigt: Bei technischen Arbeiten am Wohnmobil lohnt es sich, selbst aufmerksam zu bleiben. Man muss nicht alles selbst reparieren können. Aber ein paar Dinge helfen enorm, die eigentlich nicht neu sind aber wir trotzdem hier gerne nochmal aufschreiben:
- Fahrzeugdaten kennen.
- Bei Unklarheiten lieber schriftlich kommunizieren.
- Vorher genau wissen, welche Reifen oder Teile man möchte. Ausdrucke und Rechnungen kontrollieren.
- Und nach der Reparatur bewusst darauf achten, ob das ursprüngliche Problem wirklich verschwunden ist.
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