West-Sahara-Fahrt: Unser Fazit !

Dieser Beitrag gehört zur Artikel-Serie „Unsere Fahrt in die West-Sahara“

Vor unserer Fahrt in die West-Sahara gab es natürlich einige offene Fragen, die wir jetzt im Nachhinein uns und euch leicht beantworten können!

Straßen und Verkehr

Die Straßen in der West-Sahara sind nicht schlechter als im Rest Marokkos. Wer schon etwas durch dieses wunderschöne Land gefahren ist, hat auch schon einiges an schlechten Straßen bewältigt.

Der schlechteste Streckenabschnitt liegt zwischen Boujdour und Oued Kraa. Dort sind die Fahrbahnränder oft böse „ausgefranzt“ und die Straße ist dadurch sehr schmal. Bei den vielen Reifen-Leichen, die am Straßenrand rumliegen, weiß man schnell was passiert, wenn man sich da mal um ein paar Zentimeter nach rechts vertut. Wenn also das rechte Vorderrad auf ein Stück fehlende Straße zusteuert und die linke Spur mit einem entgegenkommenden Bus besetzt ist, dann hat man ein richtiges Problem! Darum fahrt Ihr lieber rechtzeitig an einer geeigneten Stelle von der Straße bis der Bus oder der LKW vorbei ist.

Je weiter man nach Süden kommt, desto geringer wird die Verkehrsdichte. Es fahren kaum noch PKWs, das meiste sind Busse und LKWs. Nach Sonnenaufgang und am Wochenende ist noch etwas weniger los.

 Die Busse und LKWs fahren in der Regel sehr rücksichtsvoll und versuchen an uns Wohnmobilisten so weit rechts wie möglich vorbeizufahren. Sollte Ihr mal den Eindruck haben, dass der Fahrer im Gegenverkehr nicht so konzentriert ist: aufblenden und links blinken.

Sandverwehungen auf der Straße

Auf der Fahrt nach Süden gibt es bei starkem Wind immer wieder das Problem, dass Sanddünen bis auf die Straße wandern.

Sand am Straßenrand
Sand am Straßenrand

Am häufigsten kommt das auf der Küstenstraße zwischen Tarfaya und Laayoune vor. Wenn ihr an so eine versandete Stelle heran fahrt und euch nicht zu 100% sicher seid, dass ihr unbeschadet durchkommt: anhalten, aussteigen, nachschauen! Es ist schwer, das während der Fahrt zu erkennen. Wenn ihr euch irrt, kann es sein, daß euer Wohnmobil aufsetzt oder ihr einfach im Sand stecken bleibt. Auf jeden Fall wird man heftig durchgeschaukelt und eventuell ist nicht mehr jeder Hängeschrank an seinem Platz.  Also – vorsichtig sein!

Wind und Wetter

Klar, je weiter man nach Süden fährt, desto wärmer wird es. So richtig haben wir es ab Boujdour gemerkt. Im Windschatten hinterm WOMO in der Sonne zu sitzen ist superschön. Leider weht der Atlantik-Wind auf dieser Strecke noch etwas stärker als in Agadir, Sidi Wassay oder Sidi Ifni. Manche Böe bringt gleich noch etwas Sand und Dreck mit. So ist es dort unten eigentlich fast immer. Natürlich schwankt die Windstärke von Stunde zu Stunde und Tag zu Tag. Auch Windstille kommt mal vor, leider zu selten. Bei Starkwind spazieren zu gehen, heißt oft auch, daß eine Wegstrecke seeeeehr anstrengend wird. Wir mussten uns immer gut überlegen, was wir anziehen, sonst kühlt man bei dem frischen Wind schnell aus!

Immer schön warm anziehen im Wind!
Immer schön warm anziehen im Wind!

Auch nachts kann es nerven, wenn das WOMO wackelt und der Wind ständig laute Pfeiffkonzerte mit Hilfe vom Heki veranstaltet. Aber wozu gibt es denn Ohropax?!

Ich gebe zu, dass wir auch sonst nicht so gern am Atlantik sind, weder in Marokko noch in Portugal. Genau aus den genannten Gründen. Wer also das raue Nordseeklima liebt oder auch bisher in Marokko viel Zeit am Atlantik verbrachte, wird sich auf der West-Sahara-Strecke eher mit dem Wind abfinden können als wir. Marokko-Reisende, die einen warmen Winter verbringen möchten und nicht unbedingt Meerblick vom WOMO aus brauchen,  die zieht es in der Zeit von Dezember bis Februar wohl eher in Richtung Tata oder Zagora.

Einkaufen und Versorgung

Auf der Fahrt in die West-Sahara waren wir überrascht von der guten Versorgungslage. Überall gab es frisches Obst und Gemüse in reicher Auswahl. In den größeren Orten ähnelt das Angebot an Produkten und Dienstleistungen dem, was in anderen Teilen Marokkos auch geboten wird. Bis auf Dakhla waren die Preise identisch. In Dakhla sind die Preise im Durchschnitt 20% höher als auf dem Rest der Strecke. Uns ist aufgefallen, dass die Frischmilch im Folienbeutel,  im Gegensatz zu anderen Teilen des Landes, in der West-Sahara teurer ist als im Tetrapack. Und wir entdecken ein Produkt wieder, welches wir auf den Kanarischen Insel schätzen gelernt haben: Gofio ist ein Mehl, das aus gerösteten Maiskörnern oder Gerste (!) hergestellt wird. Wir mischen Gofio gern in unser Bircher Müsli – lecker!

Geldautomaten gab es in fast allen Orten. Die Nachlade-Karten von Maroc-Telecom waren überall erhältlich. Man hat eh am besten immer eine Nachlade-Karte in Reserve, falls man mal ein paar Tage freisteht.

Diesel ist auf der Fahrt nach Süden ab ca. 10 Kilometer vor Akhfennir um 2-3 DH je Liter günstiger als im Norden. Es gibt ausreichend Tankstellen auf der Strecke. Uns ist es passiert, dass wir an Tankstellen abgewiesen wurden mit der Begründung, dass im Moment kein Diesel an Touristen abgegeben wird. Also am besten bei jeder Gelegenheit nachtanken.

Wasser haben wir immer wieder auf dieser Tour nachbunkern können. Die Qualität ist oft zu niedrig um es zu trinken und der Geschmack war meist metallisch bzw. salzig. Auf der Dakhla-Halbinsel ist das Wasser, wenn es nicht gefiltert ist, schwefelhaltig, es riecht also nach „faulen Eiern“. Um Nummer sicher zu gehen, haben wir unsern Wasservorrat um ein paar 5-Liter-Behälter erweitert. Wir haben Wasser immer kostenlos bekommen, mit Ausnahme vom Wasserturm in Dakhla bzw. am „Kilometer 25“. Dort kostet es eine Gebühr, ist dann aber auch gefiltert.

Wir haben eine rote Afriquia-Gasflasche auf unserer Marokkoreise an Bord. Diese kann man in El Outia und in Boujdour tauschen. Bei La Marsa (Laayoune) gibt es ein Gaswerk, das „Fremdflaschen“ befüllt. In der West-Sahara sahen wir am häufigsten die gelben Gasflaschen der Firma „PNA“. Wenn ihr länger bleiben möchtet, lohnt es sich eine gelbe Gasflasche zu kaufen.

Internet ist auf der West-Sahara-Strecke nicht durchgehend verfügbar. Wenn man außerhalb eines Ortes ist, grenzt es an Glücksspiel ob man Internet bekommt oder nicht. Teilweise mussten wir an unseren mobilen Router eine externe Richtfunkantenne anschließen um Internetempfang zu haben. In Orten ist Internet per Maroc-Telecom-Mobilfunkkarte immer verfügbar. Je größer die Stadt, desto schneller war in der Regel die Verbindung. Auch viele Campingplätze bieten Internet per WIFI an. Die schnellste Internetverbindung hatten wir auf dem CP „Sahara Line“ in Boujdour. Dort haben wir intensiv per „Skype“ und „Google Hangouts“ telefoniert. Auch Videotelefonate funktionierten ohne Probleme.

Polizeikontrollen und Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung

Auf der Fahrt nach Dakhla hatten wir in etwa die gleiche Dichte an Polizeikontrollen wie auf unserer Fahrt durch Osten Marokkos (Ceuta-Saidia-Figuig). Die Kontrollen kann man erheblich beschleunigen, indem man seine persönlichen Daten als Formular (Fiche) an den Beamten übergibt. Sonst muss man einige Minuten warten bis der Polizist die Daten erfasst hat. Ein Beispiel-Formular kann man hier runterladen. Die Beamten verhielten sich alle freundlich und korrekt. Hinweis zur Polizeikontrolle: Am Schild „Halte“ IMMER anhalten, auch wenn der Beamte winkt! Nicht an jeder Polizeikontrolle muss man ein „Fiche“ abgeben. Manchmal wird auch nur nach dem „Woher?“ und „Wohin?“ gefragt. Wir hatten für die Fahrt in die West-Sahara 20 „Fiches“ pro Person dabei. Ein paar Geschwindigkeitskontrollen durften auf unserer Tour natürlich nicht fehlen!

Wer mehr als 180 Tage in Marokko bleiben möchte, muß eine VISA-Verlängerung  beantragen. Das ist in Laayoune und Dakhla bei der Gendarmerie ohne „Zwangsaufenthalt“ auf einen Campingplatz und geringen bürokratischen Aufwand möglich. Die VISA-Verlängerung wird in der Regel von einem zum anderen Tag gewährt und ist gebührenfrei.

Land und Leute

Auf unser West-Sahara-Fahrt spürten wir immer diese „andere“ Ausstrahlung, die dort herrscht. Das urige, typisch marokkanische Leben fehlt. Die Orte sind alle in den letzten 20-30 Jahren entstanden oder sehr stark gewachsen. Alles ist aus Beton, keine Lehmmauer ist zu finden. Die Menschen, die dort leben, sind aus ganz Marokko in die West-Sahara gezogen, somit sind weniger alte Leute zu sehen und viele junge Familien suchen dort ihre wirtschaftliche Zukunft. Es sind moderne Menschen in modernen Orten. Alle Kontakte waren freundlich und eher „unaufdringlich“.

Landschaft

Südlich von Guelmim wird die Landschaft immer trockener und geht nach und nach in Steinwüste über. Es gibt Abschnitte auf dieser Reise, die von Sand und Sanddünen geprägt sind. Die N1 führt auf langen Strecken in Sichtweite des Meeres und der Steilküste. Es gibt kaum Steigungen bzw. Gefälle, von ein paar Oued-Durchfahrten abgesehen. Einige Flüsse haben schöne Mündungen und Lagunen zum Atlantik  gebildet.

Den Atlantik entlang......
Den Atlantik entlang…

Die Lagune von Dakhla ist wunderschön und stellt einen starken Kontrast zu den bekannten Landschaften Marokkos dar! Oft kann man direkt aus dem Wohnmobil auf Lagune oder Atlantik schauen. Viel Freude bereiteten uns Spaziergänge entlang der Lagune beim „Kilometer 25“ bzw.  von der Lagune zum Atlantik.

Übernachtungsmöglichkeiten auf der Dakhla-Halbinsel

Viele Wohnmobilisten fahren  in die West-Sahara, weil man dort problemlos freistehen kann – ohne die Kosten und Regeln eines Campingplatzes. So verwundert es nicht, dass es auf der ganzen Dakhla-Halbinsel nur einen Campingplatz gibt. Genug WOMOs gäbe es in manchem Winter sicher für 5 Camping-Plätze. Aber wer hier her fährt, kommt meist ohne aus.

Nach unserer Meinung gibt es 2 besonders interessante Freistehplätze:

KILOMETER 25 (GPS: N 23.902706, -15.786846 W)
Für alles, die es gesellig mögen, ist der legendäre Freistehplatz am „Kilometer 25“ der beste. Er sieht fast schon wie ein Campingplatz aus, nur ohne Kosten, ohne Strom und ohne Duschen. Die Aussicht auf das türkisblaue Wasser, das nahe gegenüberliegende Ufer und die hellen Ständen machen den Reiz aus. Den direkten Blick auf die Lagune haben nur die Wohnmobilisten in den ersten Reihen. Am „Kilometer 25“ kann man schnell und viel Kontakt mit anderen Wohnmobilisten haben. Das Publikum ist auf diesem Platz sehr gemischt: jung bis älter, deutsch-italienisch-holländisch-englisch-französisch-…, Spaziergänger-Kiter-Surfer-Nichtstuer, weiße Wohmobile-Kastenwagen-Jeeps-LKW. Die WOMOs stehen hier recht eng, aber daraus ergibt sich ja auch ein guter Windschutz.

Im Foto mit Finger oder Maus schwenken.

KILOMETER 15 (GPS: N 23.83194, -15.867015 W)
Der Freistehplatz für Individualisten.
Ihr habt hier viiiiiiiel Platz . Es könnten in der Umgebung 500 Wohnmobile stehen mit Abständen von 50 Meter zwischen den Fahrzeugen – kein Problem. Jeder, der möchte, kann am „Kilometer 15“ Lagunen-Blick haben.
Der Wind weht an diesem Platz kräftiger als am „Kilometer 25“. Der oft grüne, kleine Seitenarm der großen Lagune bildet einen tollen Kontrast zum tiefblauen Wasser. Man fährt 15 Minuten mit dem WOMO nach Dakhla zum Einkaufen.

Lagune und Seitenarm (Kilometer 15)
Lagune und Seitenarm (Kilometer 15)
Für wen lohnt sich die Fahrt durch die West-Sahara nach Dakhla?

Wer mit viel Wind klar kommt oder Surfer bzw. Kiter ist, wird in der West-Sahara und auf der Dakhla-Halbinsel, trotz des großen Anreiseaufwandes, ein lohnendes Ziel finden. Aber auch Überwinterer mit Liebe zum Meer und zum Freistehen fühlen sich hier ganz sicher wohl. Für alle, die gern bei Agadir auf der „Platte“ standen, könnten in Zukunft in der West-Sahara ihren Winter-Platz finden. Ab 2 Monaten „Urlaub“ im Süden sind dann auch die Dieselkosten refinanziert.

Auf uns trifft das Meiste davon nicht zu. Aber auch für uns und alle anderen neugierigen Reisenden gilt: EINMAL MUSS MAN DIE WEST-SAHARA GESEHEN HABEN !!

Tschüß West-Sahara!
Tschüss West-Sahara!

 

Stand: 03/15

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